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Jammen & Improvisieren

"To boldly play were no one has played before", so könnte man das auch nennen. Die gute alte Jam-Session als Königsweg der Musik: Auf der Grundlage von Bekanntem sich im Hier und Jetzt neu zusammenfinden und sich vielleicht aufschwingen zu einem intensiven Lebensgefühl. Also: Improvisieren, erfinden, aufeinander hören, spontanen Ideen Raum geben. Hungry for Heaven. Immer dem lebendigen Gefühl des Moments den Vorrang geben vor irgendwelchem Notenkram: "That sheet stuff's a lot a cheese", "dieser Kram vom Blatt ist Käse", wie W.C. Williams einen Jazzmusiker sagen lässt. Und seien wir ehrlich: Auch unsere hochgerühmten Klassiker, unsere Mozarts, Beethovens & Schuberts wussten noch, wie das geht. (So weiß man zum Beispiel, dass Mozart für ein schnell zu komponierendes Sonntagskonzert oft nur ein zentrales Thema ausnotierte & den Rest seiner Improvisationsgabe überließ.) Es ist nur in Vergessenheit geraten und fristet vor allem in der Klassik ein Nischendasein. Aber wie will man die Freude & Intensität der Musik erleben, wenn man nicht wieder im tiefsten Wortsinne zu SPIELEN anfängt?

 

111211 session01Mike, Jochen, Peter. Im Hintergrund genießt Christian Steuber.

Die zahllosen Jam-Sessions waren für mich auch eine Art Ersatz für die traditionelle Musikausbildung, zu der ich keinen Zugang hatte. Es liegt mir fern, diesen Weg zu glorifizieren, er hat Nachteile, und ich habe viel Lehrgeld bezahlt. Aber er hat einen unschätzbaren Vorteil: Er ist total praxisnah und ungeheuer lebendig. Meine Erlebnisse auf diesem Weg würden ein ganzes Buch füllen, so viel gab es durch und in der Musik zu erleben. Und immer schaute ich von den Weggefährten etwas ab, lernte Neues & genoss es.

Nie werde ich zum Beispiel vergessen, wie ich mich in Freiburg mit einem durchreisenden Amerikaner anfreundete, der Straßenmusik machte und mit dem ich mich zusammentat. Einen Teil des erspielten Geldes verprassten wir in einer Szene-Kneipe, wo wir weiterspielten und irgendwann den Hut rumgehen ließen. Die Regel meines Kumpels für diesen Gig war: Wir spielen abwechselnd, jeder immer nur ein Stück. So kam keine Langeweile auf, und unsere Performance hatte Struktur.

So: keep blowin'! In Eminems Worten: "Lose yourself in the music/ the moment you own it you gotta never let it go/ you only got one shot, do not miss the chance to blow/ this opportunity comes once in a lifetime/ GO!"